Rinder sind empfindlich gegenüber hohen Temperaturen – das gilt insbesondere für Milchrinder. Durch die heimischen Klimabedingungen entstehen für moderne Milchviehrassen öfter als früher Wärmebelastungen. Hitzestress hat vielfältige Auswirkungen auf das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit der Tiere. Um die Rinder fit zu halten und die Milchmenge auf einem hohen Niveau zu stabilisieren, sind Landwirt*innen gefordert. Eine Reihe von Maßnahmen kann hier Abhilfe schaffen.

Hitzestress hat im Alltag von Rinderhalter*innen stetig an Bedeutung gewonnen. Grund ist die weltweite Erwärmung und die damit verbundene Zunahme von Wetterextremen und Hitzeperioden. Auch Deutschland ist hiervon betroffen. Ein weiterer Grund ist die rasante Leistungsentwicklung der Milchrinder in den letzten Jahrzehnten. Mit zunehmender Leistung produzieren die Tiere mehr Wärme. In Verbindung mit den gestiegenen Außentemperaturen ist Hitzestress öfter und über längere Zeiträume hinweg eine Herausforderung im Stall.

Die thermoneutrale Zone: Wohlfühlbereich der Kuh

Der optimale Temperaturbereich für Milchkühe liegt zwischen 4 °C bis 16 °C. Diesen Bereich nennt man thermoneutrale Zone. Innerhalb der thermoneutralen Zone müssen Tiere keine zusätzliche Energie aufbringen, um ihre Körpertemperatur stabil zu halten. Wärmeproduktion und -abgabe befinden sich in einem harmonischen Gleichgewicht. Landwirt*innen sollten demnach versuchen, die Stalltemperatur in diesem Bereich zu halten. Ab 17 °C verlässt die Kuh den für ihr Wohlbefinden idealen Bereich. Bis etwa 22 °C verschlechtert sich geringfügig die Futterverwertung; mit Leistungsdepressionen ist jedoch noch nicht zu rechnen. Ab 22 °C spricht man schließlich von (leichtem) Hitzestress.

Grafik_Darstellung Temperaturbereich gemäß Temperatur-Luftfeuchtigkeits-Index (THI). mod. nach Zimbelmann & Collier (2009) [© Deutsche Tiernahrung Cremer]

Thermoregulation schadet der Leistung

Bei Hitzestress erweitern sich Blutgefäße, um die Wärmeabgabe zu fördern. Die Kühe beginnen zu schwitzen und ihre Körpertemperatur nimmt zu. Die Kuh versucht über vermehrtes Atmen Wärme abzugeben (Verdunstungskühlung). Durch diese Prozesse verbrauchen die Tiere zusätzliche Energie. Zugleich nimmt ihre Aktivität und auch die Futteraufnahme ab. Bereits ab einer Temperatur von 22 °C kann sich daher die Milchleistung verringern.

Starker Hitzestress beginnt ab einer Körpertemperatur von 40 °C

Starker Hitzestress beginnt ab einer Körpertemperatur von mehr als 40 °C. Da die Tiere unterschiedlich stark Wärme produzieren wird dieser kritische Bereich – je nach Milchleistung – früher oder später erreicht. Bei Kühen mit einer Tagesleistung von 30 kg Milch wird starker Hitzestress bei einer Temperatur von 28 bis 34 °C beobachtet. Je höher die Luftfeuchtigkeit im Stall, desto früher tritt starker Hitzestress auf. Bei Tieren mit einer Leistung von 50 kg Milch pro Tag genügt bereits eine Außentemperatur von 20 bis 26 °C. In der Folge steigt die Atemfrequenz der Tiere auf mehr als 80 Atemzüge pro Minute an.

In drei Schritten die Temperatur im Stall reduzieren

Um Hitzestress zu begegnen, können Landwirt*innen vielfältige Kühlungsmöglichkeiten einsetzen. Dazu gehören unter anderem verschiedene Lüftungs- bzw. Kühlsysteme oder eine Kombination aus beidem. Bei Lüftungssystemen spricht man in der Regel von Ventilatoren. Ihre kühlende Wirkung beruht auf Verwirbelung einerseits und dem Luftaustausch andererseits. Kühlsysteme hingegen beeinflussen die Stalltemperatur durch Wasserdampf im Stall (Hochdruckvernebelung) oder wirken direkt auf den Tieren (Niederdruckversprühung).

  • Das richtige Lüftungsmanagement finden
    • Auf genügend Luftbewegung im Stall achten. Die benötigte Lüftungsrate ist abhängig von Außentemperatur und Leistung der Tiere.
    • Eine witterungsabhängige, automatische Einstellung der Lüftungs- und Kühlsysteme ist einer manuellen vorzuziehen, da sich das Wärmeempfinden von Mensch und Tier mitunter empfindlich unterscheidet (optimal mit Thermostaten in Gruppenschaltung).
    • Auch in den Nachtstunden Lüftungs- und Kühlsysteme aktivieren.
    • Schutzgitter der Ventilatoren regelmäßig reinigen (maximale Ventilatorleistung).
  • Priorität im Laufstall genau hinterfragen
    • In kritischen Bereichen zusätzliche Ventilatoren positionieren (Vorwartebereich sowie Melkstand/-roboter).
    • Im Boxenlaufstall Ventilatoren über den Liegeboxen platzieren.
    • Ggf. separate Systeme für die Transitkühe vorsehen.
  • Die passende Technik richtig montieren
    • Die Installation modernster Kühlungstechnik ist essenziell, um Hitzestress entgegenzuwirken. Da stets die individuellen Gegebenheiten vor Ort zu berücksichtigen sind, ist es meist ratsam, spezialisierte Lüftungsexpert*innen zu Rate zu ziehen.

Neben dem Einsatz der richtigen Lüftungs- und Kühlsysteme besteht die Möglichkeit, über das Stallmanagement die Tiere bei Hitzestress zu entlasten. Dabei gilt es, betriebliche Routinen genau unter die Lupe zu nehmen, zu hinterfragen und ggf. anzupassen.

  • Für ausreichend Beschattung sorgen – sowohl im Stall als auch auf der Weide.
  • Die Laufställe nicht überbelegen: Je höher die Kuhdichte desto mehr Wärme entsteht.
  • Die Melkzeiten eventuell anpassen. Idealerweise in den frühen Morgenstunden melken.
  • Die Anzahl der Tiere im Vorwartehof im Melkstand reduzieren und so die Aufenthaltsdauer jedes Tieres auf ein Minimum reduzieren.
  • Die Tränkeanzahl maximieren, auf eine ausreichende -hygiene achten und/oder die -durchflussrate ggf. erhöhen – sowohl auf der Weide als auch im Stall.
  • Die Weidezeiten ggf. in die Nachtstunden verlegen.
  • Bereits ab einer Temperatur von 5 °C die Jalousien der Seitenwände öffnen (wenn Frostfreiheit besteht).
    • Spätestens ab einer Temperatur von 10 °C diese maximal öffnen.
    • Wenn möglich auf Windbrechnetze verzichten.

Bereits bei der Planung des Stallbaus sollten Landwirt*innen Maßnahmen gegen Hitzestress berücksichtigen. Allerdings bieten auch ältere Ställe vielfältige Möglichkeiten einer Anpassung und Optimierung gegen Hitzestress.

  • Das Stallgebäude quer zur Hauptwindrichtung ausrichten.
  • Ausreichend Zu- und Abluftflächen schaffen.
  • Dichte, unbewegliche Seitenwände vermeiden (d. h., keine hohen Sockelmauern usw.).
  • Offene, bei Bedarf schließbare Seitenwände verwenden.
  • Luftstromhemmende Anbauten vermeiden.
  • Möglichst große Luftvolumen einplanen (hohe Traufen von mindestens vier Meter Höhe).
  • Offener Lichtfirst über die ganze Stalllänge vorsehen. Dabei keine breiten Firste wählen.
  • Unnötige Sonneneinstrahlung (z. B. Lichtplatten im Aufenthaltsbereich) vermeiden.
  • Das Dach isolieren und auf helle Oberflächen achten.
  • Auch in neuen, hohen Ställen Lüftungssysteme einbauen.

Fazit für die Praxis

  • Hohe Temperaturen haben Auswirkungen auf die Leistung von Milchvieh.
  • Bereits ab einer Temperatur von 22 °C spricht man von Hitzestress.
  • Landwirt*innen sollten versuchen mithilfe vielfältiger Maßnahmen, die Temperatur im Stall der thermoneutralen Zone (d. i. der Wohlfühlbereich) der Kühe anzunähern.
  • Zur Regulierung der Temperatur hat sich ein Mix unterschiedlicher Maßnahmen als erfolgreich erwiesen. Hierzu gehört die Installation eines Lüftungs- bzw. Kühlsystems, ein angepasstes Stallmanagement sowie bauliche Anpassungen des Stalls.

Mehr dazu, wie eine angepasste Fütterung dabei hilft, Hitzestress zu vermeiden, erfahren Sie im zweiten Teil unserer Serie.

Ansprechpartner

Anna Dittrich

Produktmanagerin Rind/Mineralfutter

Anna Dittrich

Produktmanagerin Rind/Mineralfutter