Der Alltag vieler Pferde gestaltet sich in den Wintermonaten anders als während der Phase zwischen April und Oktober. Sie haben weniger oder keine Weidegänge und verbringen mehr Zeit in ihren Boxen. Zudem ist ihr Fell lang bzw. geschoren und die wenigen Sonnenstunden wirken ermüdend auf Körper und Geist. Der neue Alltag zwischen Regen und Schnee ist oft nicht nur trist, sondern er kann auch Koliken begünstigen. Bemerken Pferdehalter*innen Veränderungen an ihrem Tier, ist daher Wachsamkeit geboten. Schließlich können Koliken mitunter lebensbedrohliche Verläufe nehmen. Hier erfahren Sie, was Sie tun können, einem Magen-Darm-Leiden Ihres Pferdes bestmöglich vorzubeugen. Sollten Sie jedoch bereits erste Anzeichen bemerken – oder unsicher sein – ziehen Sie direkt einen Tiermediziner zurate.

Unter Pferdehalter*innen wird der Begriff „Kolik“ (lat. cōlicus) meist gleichbedeutend mit allgemeinem Unwohlsein oder Schmerzen im Bauchraum der Pferde verwendet. Beides kann durch viele unterschiedliche Faktoren verursacht werden. Je nach Ursprungsort der unterteilt man Koliken in verschiedene Gruppen.

Die verschiedenen Kolikarten

Der Darminhalt des Pferdes wird durch fehlende Flüssigkeit zu fest und das Tier kann ihn nicht mehr ausscheiden. Gründe für den Flüssigkeitsmangel gibt es viele: Eine zu geringe Wasseraufnahme, zu viel Stroh oder schlecht gekautes Futter sind die häufigsten Gründe.

Hier liegt der Ursprung der Verstopfung weiter vorne im Darm. Geschwülste oder Gekröse an der Darmwand können die Auslöser sein. Aber auch ein starker Befall mit parasitären Würmern kann die Verstopfung im Dünndarm auslösen.

Die Sandkolik wird von Ablagerungen in Magen und Darm (z. B. Sand, Steinchen) ausgelöst, die zu einer operationsbedürftigen Verdrehung des Dickdarms führen.

Entstehen durch blähende Futtermittel (z. B. frisch gemähtes Gras, Mais oder Kartoffeln). Die Gaskolik äußert sich durch vermehrte Blähungen und äußerlich durch einen meist vergrößerten, „aufgeblähten“ Bauch.

Die Krampfkolik ist durch (starke) Krämpfe gekennzeichnet, deren Ursache meist bei Fütterungsfehlern oder Stress zu suchen sind. Auch ein Parasitenbefall (z. B. Bandwürmer) kann die Krämpfe hervorrufen.

Man unterscheidet zwischen einer primären und einer sekundären Magenüberladung. Eine primäre Überladung liegt dann vor, wenn das Pferd zu viel quellendes und/oder gärendes Futter gefressen hat. Von einer sekundären Überladung spricht man, wenn sich – z. B. aufgrund eines Darmverschlusses – Speichel, Futterreste und Sekrete in den Magen zurückstauen.

Eine Darmdrehung wird oft durch Fehlgärungen verursacht. Grund hierfür: schlechtes Futter oder eine zu abrupte Futterumstellung.

Arbeitet die Darmmuskulatur nicht mehr oder nicht in ausreichendem Maße, verkrampft sich der Verdauungskanal. In extremen Fällen kann ein vollständiger und mitunter lebensbedrohlicher Darmverschluss die Folge sein.

Hierbei handelt es sich um eine eher seltene Form der Kolik. Dabei siebt sich der Darm durch kleinere Lücken in der Muskulatur oder der Bauchhöhle, verklemmt sich und kann nicht mehr in seine ursprüngliche Position zurück.

Ob die Situation für das Pferd lebensbedrohlich ist, oder es sich lediglich um eine Magen-Darm-Verstimmung handelt, ist von der Ursache und dem Verlauf abhängig. Schwerverlaufende Koliken sind in jedem Fall ernst zu nehmen. Pferdehalter*innen tun deshalb gut daran, das Verhalten ihrer Lieblinge genau zu beobachten und im Zweifelsfall umgehend tierärztlichen Rat einzuholen.

Mögliche Symptome einer Kolik

Da einer Kolik verschiedene Ursachen zugrundliegen, unterscheiden sich auch die Symptome von Fall zu Fall. Allerdings treten in der Praxis einige Krankheitszeichen besonders häufig auf. Das sind bspw.:

  • Unruhe
  • Vermehrtes Scharren
  • Wiederholtes Flehmen
  • Ausschlagen des Kopfes gegen Rücken oder Bauch
  • Häufiges Hinlegen, wiederholtes Wälzen
  • Weit aufgerissene Augen
  • Stoßatmung
  • Trockene Mundschleimhaut
  • Schweißausbrüche, kalter Schweiß
  • Verweigerung der Wasseraufnahme

Ursachen von Koliken und Magen-Darm-Problemen im Winter

Die Lebensumstände der Pferde im Winter können einige Magen-Darm-Erkrankungen begünstigen:

  • Während der langen, dunklen Tage in den Boxen wird es Pferden häufig langweilig. Um sich zu beschäftigen, kann es vorkommen, dass sie mehr Stroh als üblich fressen. Die rohfaserreichen Getreidehalme enthalten viel Lignin. Dieser stabile Pflanzenbestandteil ist nur schwer verdaulich. Lignin bindet zudem viel Wasser, was sich negativ auf die Verdauung auswirkt.
  • Speziell im Winter trinken Pferde oft zu wenig Wasser. Gerade kaltes Tränkewasser wird weniger angerührt. Steht das Tier zudem längere Zeit auf Paddocks ohne Tränke, verstärkt auch das einen Wassermangel. Zusammen mit übermäßiger Strohaufnahme wird so der Grundstein einer Verstopfungskolik gelegt.
  • Der Bewegungsmangel, der im Winter schneller vorkommen kann als in Frühling oder Sommer, wirkt einer gesunden Aktivität von Magen und Darm entgegen. Schließlich fördert eine regelmäßige und kontinuierliche Bewegung Stoffwechsel und Verdauung. Bleiben Ausritte und Weidegänge aus, kann es sein, dass der Stoffwechsel sich verlangsamt und die Darmaktivität nimmt ab. Verdauungsstörungen können anschließend besonders leicht auftreten.
  • Im Winter stehen Pferde öfter auf den feuchten Paddocks. Hier können sie Steinchen, Sand und Schlamm aufnehmen. Wenn sie kurze Grashalme aus dem Sand ziehen, nehmen sie stets auch Sand mit auf. Aber auch beim Plantschen im Schlamm und Saufen des Schlammwassers gelangt einiges an Dreck ins Pferd. Lagern sich die Schmutzpartikel anschließend in Magen und Darm ab, bilden sie den Ausgangspunkt einer Sandkolik.

Diese 11 Tipps helfen einer Kolik vorzubeugen

Egal, ob es regnet, stürmt oder schneit: Bewegung tut immer gut. Gerade im Winter sollten Pferdehalter*innen für zusätzliche Bewegungseinheiten sorgen. Das kurbelt nicht nur die Verdauung an, sondern stärkt zugleich das Immunsystem.

Neben der Reduzierung der Strohaufnahme ist eine ausreichend Flüssigkeitsversorgung wichtig, um die Verdauung in Gang zu halten. Rühren Pferde das Wasser bei frostigen Temperaturen nicht an, macht es Sinn, angewärmtes Wasser zuzugeben. Das kontrollieren der Tränken ist sehr wichtig. Auch eine zwei- bis dreimal wöchentliche Fütterung mit Mash (z. B. deukavallo Apfelmash) kann helfen, für mehr Flüssigkeit zu sorgen.

Sie sollten Ihren Pferden stets Heu oder Heulage in ausreichender Menge zur freien Verfügung anbieten. Dabei ist stets auf eine gute Qualität zu achten.

Frisches Heu und Heulage in guter Qualität sind das A und O einer guten Verdauung. Ist hiervon genügend in guter Qualität vorhanden, kann dies auch den übermäßigen Verzehr von Stroh im Winter unterbinden. Ist nicht genügen Heu vorhanden oder möchten Pferdehalter*innen die Menge zusätzlich aufstocken, eignet sich ein Heuergänzer (z. B. deukavallo Heucobs). Der Raufutteranteil sollte insgesamt ~1,5 kg je 100 kg Körpergewicht betragen.

Gerade bei Pferden mit empfindlichem Magen sollte Kraftfutter auf mehrere kleinere Mahlzeiten aufgeteilt werden. Auch lassen sich mehrere kleine Portionen schonender verdauen als wenige große. Schließlich hat es sich bewährt, Pelletfutter (z. B. deukavallo Top E) mit einem gewissen Abstand nach der Heuaufnahme anzubieten (ca. 15 Minuten).

In den nassen und matschigen Paddocks besteht die Gefahr, dass die Vierbeiner Sand, Schlamm, Steinchen oder Dreck mit dem Heu bzw. der Heulage aufnehmen. Bei einem Aufenthalt von bis zu einer Stunde, tut man gut daran, dort auf die Zufütterung zu verzichten. Sollen die Tiere gar mehr als eine Stunde auf den Paddocks verbringen, sollten Sie ihnen das Futter in Heuraufen anbieten. So bleibt das Futter stets sauber. Achten Sie dabei auch darauf, dass die Umgebung der Raufe sandfrei bleibt. Wenn die Raufe leer ist, fressen die Tiere auch vom Boden. Gerade rangniedrigeren Tieren bleibt oft nichts anderes übrig.

Floh- und Leinsamen besitzen sandbindende Eigenschaften. Lässt sich nicht verhindern, dass die Pferde Sand, Steine oder Schmutz mit Futter oder Wasser aufnehmen, können Pferdehalter*innen z. B. mit Fütterung von Flohsamen oder Leinsamen einiges an Sand wieder aus dem Magen und Darmtrakt herausbekommen (z. B. deukavallo Leinvital).

Zusätzlich können Kräuter im Futter anregend und vitalisierend wirken. Hier eignen sich Pferdefutter mit entsprechenden Kräutermischungen (z. B. deukavallo Kräutermüsli). So regen Sie den Stoffwechsel Ihrer Tiere an und unterstützen die Ausbildung eines starken Immunsystems. Manche Kräuter besitzen zudem krampflösende und schmerzlindernde Eigenschaften. Alternativ können Sie Kräutertee direkt ins Tränkewasser geben oder auch Mash mit Kräutertee aufgießen.

Vitamine und Mineralstoffe sind gerade in der dunklen Jahreszeit besonders wichtig. Doch gerade jetzt stehen weder frisches Gras noch Weidepflanzen ausreichend zur Verfügung. Durch das fehlen der Sonne kann zudem kein Vitamin D gebildet werden. Mineralfutter (z. B. deukavallo Mineral) eignet sich gerade jetzt gut, die Zeit bis zur Weidesaison zu überbrücken.

Abrupte Umstellungen der Fütterung können Magen und Darm belasten. Sollte ein Wechsel der Fütterung anstehen, sollten Pferdehalter*innen darauf achten, nur langsam und in kleinen Schritten auf ein neues Futter umzustellen.

Frisst das Pferd aus Langeweile übermäßig Stroh, sollten Pferdehalter*innen über den Wechsel der Einstreu nachdenken. Als Alternativen eignen sich zum Beispiel Leinstroh, Holzspäne oder Strohhäcksel. Darüber gestreut genügen dann ca. 0,5 kg Stroh je 100 kg Körpergewicht an frischem Stroh.

Bildnachweise (Top-Slider): © Nadine Haase – stock.adobe.com und © PantherMedia / Diego Cervo

Ansprechpartnerin

Theresa Oesterwind

Produktmanagerin Heimtier/Pferd

Theresa Oesterwind

Produktmanagerin Heimtier/Pferd