Landwirt und Geflügelfachberaterin diskutieren optimales Management der Legehennen vor dem Mobilstall (© Deutsche Tiernahrung Cremer).

Neben einer soliden Vorbereitung und der richtigen Fütterung ist vor allem das richtige Management für den Erfolg der mobilen Geflügelhaltung entscheidend. Nur in einem gut organisierten Mobilstall gehen das Wohl der Tiere, Entwicklung der Hennen und die Legeleistung Hand in Hand. Mit einer Vielzahl an Maßnahmen können Mobilstallhalter*innen das Tierwohl fördern und eine regelmäßige Legetätigkeit unterstützen. Dabei müssen Management­entscheidungen jedoch stets die individuellen Gegebenheiten von Stall und Herde berücksichtigen. Im folgenden Artikel finden Sie eine Übersicht der wichtigsten Maßnahmen zur Optimierung Ihrer mobilen Hühnerhaltung.

Richtiges Management zur Einstallung: Gewöhnung an den neuen Mobilstall

Die Einstallung ist eine bedeutende Phase für Legehennen in der mobilen Haltung. Nach dem Einstallen benötigen die jungen Hennen etwa zwei Wochen, um sich in allen Bereichen des Stalls zurechtzufinden. Eine Eingewöhnungsphase hilft den Tieren, sich optimal an die Gegebenheiten des Mobilstalls zu gewöhnen. Speziell nach der stressreichen Einstallung ist es wichtig, dass Tränkeinrichtungen und Futterbahnen einwandfrei funktionieren. Absolvieren Sie deshalb einige Tage vor der Einstallung einen entsprechenden Kontrollgang und prüfen Sie alle Systeme.

Hühner sind Gewohnheitstiere. Das heißt, sie bevorzugen einen geregelten Tagesablauf. Ist dieser nicht gegeben, sind sie gestresst und es kann zu untypischem Verhalten (z. B. Federpicken) kommen, was sich direkt auf die Eimenge auswirkt. Dunkeln Sie die Fenster zur Einstallung ab. Das ist wichtig, damit die Junghennen über das eingestellte Lichtprogramm direkt den gewünschten Tagesrhythmus entwickeln und anschließend in die Legephase gebracht werden können. Hierfür ist es nötig, die Tageslichtdauer mithilfe der künstlichen Beleuchtung sukzessive von 10 Stunden (bei der Einstallung in der 18. Lebenswoche) bis auf 16 Stunden anzuheben. Vermeiden Sie allzu gravierende Veränderungen in der Lichtlänge.

Die Eingewöhnungsphase endet damit, dass die Junghennen in die Legephase übergehen. Um die Anzahl der verlegten Eier während der Legephase zu reduzieren, sollten die Hennen bis zu einer Legeleistung von ca. 60 % nicht in den Auslauf gelangen. Dadurch fördern Sie die Nestgängigkeit und steigern zugleich die Anzahl der vermarktungsfähigen Eier.

Planen Sie bereits während der Eingewöhnungsphase den ersten Tag im Freien. Wählen Sie hierfür einen besonders geeigneten Termin ohne Wetterextreme (z. B. Regen, Sturm, extreme Kälte). Der Grund: Legehennen aus konventioneller Aufzucht kennen meist keinen Auslauf. Somit besteht die Gefahr, dass die Hühner bei schlechtem bzw. feuchtem Wetter durchnässen und unterkühlen. Mögliche Folgen sind eine verminderte Legeleistung oder eine Erkrankung der Tiere.

  • Mehr zur optimalen Fütterung während der Eingewöhnungsphase erfahren Sie im dritten Teil zum Thema „Fütterung“ in unserer Serie „Mein mobiler Hühnerstall“.
Mobilstallhalter hält Legehenne vor Mobilstall im Hintergrund (© Deutsche Tiernahrung Cremer).

Tierbeobachtung – Das A und O des Miteinanders im Mobilstall

Die Tierbeobachtung ist eine unscheinbare, aber wertvolle Managementmaßnahme bei der Mobilstallhaltung. Beobachten Sie Ihre Herde täglich. Gerade während der Eingewöhnungsphase ist es wichtig, die jungen Hennen kennenzulernen. Das ist wichtig, schließlich ist jede Herde anders. Indem Sie die Eigenheiten der Tiere registrieren, legen Sie den Grundstein, um Veränderungen im Bestand schnell zu erfassen und angemessen zu reagieren.

Achten Sie dabei sowohl auf das Verhalten sowie auf auffällige äußere Merkmale. Sind Ihnen die Hühner bestens vertraut, können Sie ungewöhnliche Verhaltensweisen (z. B. zunehmende Unruhe im Stall) oder Veränderungen der äußeren Erscheinung (z. B. Veränderungen im Federkleid oder Krankheiten wie eine Infektiöse Bronchitis) rasch erkennen, deuten und entsprechend eingreifen. Versuchen Sie dabei stets von den Veränderungen einzelner Tiere auf den Zustand der gesamten Herde zu schließen, schließlich werden Sie individuelle Tiere nur selten wiedererkennen.

MTool© – Hilfsmittel zur Beurteilung Ihrer Junghennen und Legehennen

Hilfestellung bei der Beurteilung des Zustands der Herde bietet das Basishandbuch für die Jung- und Legehennenaufzucht „MTool©“. Die mitgelieferten Beurteilungskarten helfen, das Auge angehender Mobilstallhalter*innen zu schulen, Unregelmäßigkeiten zu erkennen, um geeignete Maßnahmen zu ergreifen. Speziell Einsteiger*innen in die Hühnerhaltung bietet die Publikation des Bundesministeriums für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) eine nützliche Orientierungshilfe. MTool© ist kostenfrei erhältlich.

Eine qualifizierte Beratung durch eine*n erfahrene*n Fütterungsberater*in oder Tierarzt*ärztin kann das Tool jedoch nicht ersetzen.

Hygiene und Stallmanagement: Gesunderhaltung der Legehennen mobiler Haltung

Eine weitere wichtige Säule des Managements im Mobilstall ist die Stallhygiene. Sie dient in erster Linie dazu, die Übertragung von Krankheitserregern und Parasiten zu unterbrechen bzw. deren Vermehrung einzudämmen. Reinigung und Desinfektion des leeren Stalls vor der Einstallung ist obligatorisch. Aber auch die Säuberung des belegten Stalls sollte regelmäßig erfolgen.

Um das Risiko einer Einschleppung von Krankheiten und Parasiten in den Bestand zu verringern, vermeiden Sie es, mehrere Altersgruppen zugleich im Stall zu halten. Auch bei größeren Verlusten durch Beutegreifer sollten Sie diese nicht durch neue Tiere ersetzen. Befolgen Sie stattdessen ein konsequentes „Rein-Raus-Verfahren“. Sollte Sie dennoch eine Herde mit unterschiedlichen Altersgruppen besitzen, gehen Sie bei der Versorgung selektiv vor: Jung vor Alt. So reduzieren Sie das Übertragungsrisiko vor allem von Milben auf die jungen Tiere. Auch verhindern Sie auf diese Weise, dass sich Krankheiten auf frisch eingestallte Tiere übertragen.

Schwache, kranke oder verletzte Tiere müssen Sie sofort von der Herde trennen und in einer separaten „Krankenbucht“ unterbringen – oder falls nötig nach einer Betäubung nottöten. Verendete Tiere sollten Sie ebenfalls umgehend aus dem Bestand entfernen.

Ein weiterer wichtiger Punkt in Sachen Hygiene stellt das Tränkwasser dar. Speziell in Frühling und Sommer droht die Entwicklung eines Biofilms im Tränkesystem. Seine Entstehung wird durch die Erwärmung des Tränkwassers begünstigt; speziell, wenn dieses durch Nährstoffeinträge (z. B. Fütterungsrückstände) kontaminiert ist. Das Risiko steigt mit der Lagerungsdauer kontinuierlich an. Reinigen Sie deshalb die Rund- oder Nippeltränken und leeren Sie den Vorratsbehälter des Tränkewassers mindestens einmal im Monat idealerweise während der Durchgänge. Beseitigen Sie aus demselben Grund zügig offene Wasserstellen oder Pfützen im Auslauf. Sie bilden mögliche Keimherde, von denen ein Erkrankungsrisiko für Ihre Herde ausgeht (siehe unten Standzeiten).

Optimale Standzeiten und passendes Wiesenmanagement für Ihren Mobilstall

Der Anblick der Legehenne auf der grünen Wiese ist ein Hauptwerbeträger des Mobilstalls. Viele Kund*innen lieben diese Idylle und sind von der Haltungsform begeistert. Neben dem Vermarktungsargument spielen aber auch Gründe des Nährstoffeintrags, der Hygiene und der Fütterung eine Rolle für die Bedeutung der Standzeiten und des Wiesenmanagements.

Ein regelmäßiges Umstellen der Mobilställe reduziert den punktuellen Stickstoff- und Phosphateintrag und trägt damit der Novellierung der Düngeverordnung (DüV) Rechnung. Im Sommer sollte die Stellfläche ausreichen, um die Mobilställe etwa alle zwei bis drei Wochen umzustellen und jedem Tier vier m2 Platz. Im Winter ist ein Umstellen witterungsbedingt oft jedoch kaum möglich, ohne den Boden zu schädigen. Ziehen Sie daher die Einrichtung eines permanenten Winterstellplatzes in Betracht.

Aber auch im Sommer können lange Standzeiten die Grasnarbe beeinträchtigen. Je nach Standort, Witterung und Beanspruchung der Fläche sind unterschiedliche Maßnahmen ratsam, um das Grünland zu erhalten. Planen Sie nach guter fachlicher Praxis jährliches Striegeln, Kalken oder Nachsäen ein, um die Wiesen dauerhaft für die mobile Geflügelhaltung zu nutzen. Für die Nachsaat sollten Sie bevorzugt Gräser mit niedrigerer Wachstumshöhe verwenden. Denn bei vermehrter Aufnahme von langen, frischen Grashalmen kann es anderenfalls zu Kropfverstopfungen oder Graswickel im oberen Dünndarm der Tiere kommen. Je nach Vegetationsstadium bietet es sich zudem an, die Flächen vorab zur Silage- oder Heugewinnung zu nutzen. Auch so lässt sich die Höhe der Gräser mindern.

Lange Standzeiten führen bei Regen oder feuchtem Wetter zu unliebsamen Folgen: Mitunter droht eine Verschlammung der Auslauffläche und damit hygienisch bedenkliche Zustände. Eine Belastung mit Keimen und damit ein gesteigertes Erkrankungsrisiko Ihrer Herde sind mögliche Folgen.

Herde Legehennen auf Grünlandauslauf vor Mobilstall (© Deutsche Tiernahrung Cremer).

Mobilstall und Aufstallungspflicht: Besondere Situation verlangt besondere Maßnahme

Legehennen orientieren sich stark an ihren täglichen Gewohnheiten. Verändert sich der Tagesablauf abrupt, bedeutet dies Stress für die Tiere. Eine solche Ausnahmesituation ist das Aufstallen des Geflügels (z. B. bei Ausbruch der Geflügelpest oder auf Grund von behördlich angeordneten Präventionsmaßnahmen).

Grundsätzlich sind alle Mobilställe der bekannten Hersteller nach den Vorgaben der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutzV) konstruiert. Mit ihnen ist eine Haltung auch ohne täglichen Auslauf rechtlich möglich. Nichtsdestotrotz kann es durch die Aufstallung in der Herde zu Problemen auf Grund der veränderten Situation kommen. Die baubedingt vorhandenen Kaltscharrbereiche mancher Mobilställe, oder ein vor dem Stall angebrachter überdachter Bereich, können dies nur teilweise ausgleichen.

Gelangen die Hennen nicht ins freie und verbleiben auf engem Raum, kann dies unerwünscht Verhaltensweise begünstigen (z. B. Federpicken, Kannibalismus o. ä.). Denken Sie nach der Aufstallung deshalb unbedingt über alternative, zusätzliche Beschäftigungsmöglichkeiten für Ihre Herde nach. Im Folgenden einige Beispiele:

Ein automatisches Fütterungssystem kann die Anzahl der täglichen Fütterungen – bei gleichbleibender Gesamtmenge der Futtervorlage – erhöhen. Dadurch bieten Sie den Tieren eine Abwechslung.

Zusätzlich erzielt man mit Luzerne-, Heu- oder Strohballen sowie Pickschalen gute Effekte. Nicht zu empfehlen sind hingegen der Einsatz von Keimgetreide, Kartoffeln oder Rüben. Durch diese Futtermittel gelangt – zusätzlich zu den Ausscheidungen der Tiere auf der kleineren Fläche – weitere Feuchtigkeit in den Stall. Vermehrte Feuchtigkeit begünstigt eine Plattenbildung der Einstreu und macht eine Entmistung nötig.

Mischen Sie Getreide in die Einstreu (ca. 10 g je Tier und Tag). Das regt die Hühner zum Picken an. Das ist eine simple und zugleich effektive Form der Beschäftigung.

Sandbäder bilden eine willkommene Abwechslung zum Alltag der Tiere und dienen zugleich der Gefiederpflege

Der fehlende Auslauf kann den Befall mit der Roten Vogelmilbe verstärken, da zum Beispiel reinigende Sandbäder im Freien entfallen. Das Wohlbefinden der Tiere wird dadurch zunehmend beeinträchtigt und kann unliebsame Verhaltensweisen weiter verstärken. Ergreifen Sie daher rasch entsprechende Gegenmaßnahmen. Mehr hierzu erfahren Sie in unserem Artikel zur Roten Vogelmilbe.

Fazit

  • Das richtige Management ist entscheidend für den Erfolg Ihres Mobilstalls.
  • Ziel der Managementmaßnahmen zur Eingewöhnung der Tiere nach der Einstallung sind die Stressreduktion, Ausbildung nützlicher Gewohnheiten, Beginn der Legetätigkeit und Vorbereitung der Auslaufphase.
  • Die Tierbeobachtung ist ein probates Mittel, Veränderungen in der Herde frühzeitig zu entdecken und entsprechende Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Das Basishandbuch „MTool©“ des BLE hilft bei der Beurteilung der Legehennen.
  • Achten Sie auf eine gute Hygiene im Stall, um den Eintrag und die Ausbreitung von Krankheiten und Parasiten zu verhindern.
  • Organisieren Sie einen regelmäßigen Umzug des Stalls im Sommer, um die Grasnarbe zu schonen und offene Wasserstellen zu vermeiden. Pflegen und mähen Sie das Gras regelmäßig.
  • Im Falle einer Aufstallpflicht hat die Beschäftigung der Herde oberstes Gebot. Nur so lassen sich unliebsame Verhaltensweisen wie Federpicken und Kannibalismus verhindern.

Ansprechpartner

Dr. Lukas Fehse

Dr. Lukas Fehse

Produktmanager Geflügel

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