Der Herbst steht vor der Tür. Mit den kürzer werdenden Tagen beginnt die Zeit des Vogelzugs. In dieser Jahreszeit steigt das Risiko für den Ausbruch der Vogelgrippe rasant an. Durch Einschleppung sind auch Geflügelbestände durch einen Ausbruch, der auch als aviäre Influenza bezeichneten Erkrankung, gefährdet. Doch wie gelangt die Vogelgrippe in den Betrieb? Lässt sich eine Verbreitung eindämmen? Und schließlich: Wie sicher ist die Versorgung mit Geflügelfutter im Seuchenfall? Der folgende Bericht gibt Antworten.

Das wichtigste vorweg: Was ist die Vogelgrippe?

Unter der Vogelgrippe versteht man eine für viele Vögel tödlich verlaufende Viruserkrankung. Ausgelöst wird sie durch hochpathogene aviäre Influenzaviren (lat. für Vogelgrippe; HP-AIV) der Subtypen H5 und H7. Zwischen den Tierarten bestehen jedoch Unterschiede in Bezug auf das Infektionsrisiko. Insbesondere Hühner und Puten sind empfindlich für eine Infektion. Enten und Gänse sind robuster: Verläuft eine Infektion milde, kann sie bei ihnen mitunter gänzlich übersehen werden. Eine Infektion mit der HP-AIV verläuft bisweilen dramatisch. Die Sterblichkeit liegt dabei bei bis zu 100 %. Aufgrund der hohen Ansteckungsrate und damit verbunden rasanten Ausbreitung wird die Erkrankung umgangssprachlich auch als „Geflügelpest“ bezeichnet.

Wildvögel bilden ein natürliches Reservoir für die Übertragung. Eine Ausbreitung erfolgt meist stafettenartig, indem das Virus mit den Vögeln von Rastort zu Rastort weitergeben wird. Die Übertragung erfolgt bei Wildvögeln durch direkten Kontakt mit infizierten Artgenossen. Bereits Spuren von Kot oder Nasensekreten reichen hierfür aus.

Übersicht der eingerichteten Gebiete beim Auftreten beim Wildvögeln und Nutzgeflügel (© Deutsche Tiernahrung Cremer)

Grundlegend ist zu unterscheiden bei welchem Bestand das Virus ausbricht: Wird bei einem Wildvogel in Deutschland die Vogelgrippe festgestellt, wird ein Sperrbezirk eingerichtet. Zusätzlich wird ein Beobachtungsgebiet um den Fundort ausgewiesen. In diesen Gebieten wird das gesamte Geflügel untersucht und sorgfältige Desinfektionsmaßnahmen durchgeführt. Diese Maßnahmen gelten für 30 Tage, sofern keine neuen Fälle auftreten.

Bei einem bestätigten Verdacht der Vogelgrippe in einem Betrieb wird der Betrieb gesperrt und die Tiere tierschutzgerecht getötet und unschädlich beseitigt. Ein Sperrbezirk mit einem Radius von mindestens 3 km und ein Beobachtungsgebiet wird eingerichtet. Der Radius des Beobachtungsgebietes beträgt mindestens 10 km (s. Abb.). Innerhalb des Sperrbezirks erfolgt eine Aufstallpflicht sowie Warnbeschilderung. Über das öffentlich zugängliche Tierseucheninformationssystem (TSIS) des Friedrich-Loeffler-Instituts können Restriktionszonen eingesehen werden. Im Sperrbezirk können Behörden tierschutzgerechte Tötungen und unschädliche Beseitigungen von Vögeln anordnen.

Für die Einschleppung der Viren in Nutzgeflügelbestände sind meist eine Reihe unterschiedlicher Faktoren verantwortlich: In Freilandhaltungen sind direkte Kontakte des Geflügels mit infizierten Wildvögeln oder deren Ausscheidungen möglich. Es sollte daher vermieden werden, Futter im Außenbereich anzubieten, um ein Anlocken der Wildvögel zu unterbinden. Auch offene Wasserflächen bergen diesbezüglich Risiken. Aber auch in geschlossene Stallhaltungen kann das Virus eindringen: Vor allem der Personen-, Fahrzeug- und Warenverkehr sowie die Einstallung von Tieren sind hier mögliche Schwachstellen. Auch kann der Eintrag indirekt über verunreinigtes Futter, Wasser, Geräte, Schuhwerk, Schutzkleidung oder verunreinigte Einstreu erfolgen, die mit dem Kot infizierter Wildvögel kontaminiert sind. Das Hauptaugenmerk des Betriebes sollte somit grundsätzlich auf den Maßnahmen der Biosicherheit liegen, um seinen Bestand in der bevorstehenden Zeit bestmöglich zu schützen.

Legehennen im Freilandbereich (© Deutsche Tiernahrung Cremer).
Potenzieller Übertragungsort der Vogelgrippe - der Freilandbereich (© Deutsche Tiernahrung Cremer).

So sicher ist die Versorgung mit Futter im Fall der Fälle

Für die Lieferung von Futter in die Sperr- und Beobachtungsgebiete gelten im Seuchenfall detaillierte behördliche Sicherheitsmaßnahmen. Konkret handelt es sich hierbei vor allem um Maßnahmen zur Reinigung und Desinfektion von Fahrzeugen und spezifische Hygienemaßnahmen:

  • Verwendung von Schutzausrüstung (Einwegoveralls, Schuhüberzieher, etc.) durch die LKW-Fahrer*innen bei der Belieferung mit Futter.
  • Entsorgung der Schutzausrüstung auf den Betrieben.
  • Reinigung und Desinfektion der Fahrzeuge vor Befahren der Betriebsstätte und nach dem Entladen der Ware (v. a. der Reifen und Schläuche).
  • Schließlich dürfen Verdachts- bzw. Seuchenbetriebe nur nach Einholung einer schriftlichen Genehmigung der zuständigen Behörde beliefert werden.

Fazit

  • Im Herbst steigt das Risiko eines Ausbruchs der Vogelgrippe in Geflügelställen.
  • Freilandtiere infizieren sich über direkten Kontakt mit infizierten Wildvögeln.
  • In geschlossene Stallsysteme wird die Krankheit durch Einstallungen, Personal- oder Warenverkehr sowie verunreinigtes Futter, Wasser, Geräte, Schuhwerk, Schutzkleidung oder verunreinigte Einstreu eingeschleppt.
  • Bei Futtermittellieferungen müssen Lieferant*innen eine Reihe von Reinigungs- und Desinfektionsmaßnahmen einhalten.

Weiterführende Informationen:

 

Ansprechpartner

Lukas Fehse

Produktmanager Geflügel

Lukas Fehse

Produktmanager Geflügel