Die Phase des Absetzens bedeutet für junge Kaninchen große Veränderungen. Mit der Zufütterung fester Nahrung passt sich der Verdauungstrakt der Jungentiere innerhalb kurzer Zeit an neue Nahrungsquellen an. Der Wechsel von Kolostral- bzw. Muttermilch zu fester Nahrung bedeutet Stress, da der Magen-Darm-Trakt der jungen Tiere noch nicht voll entwickelt ist. Um den Jungkaninchen die Umstellung zu erleichtern und sie zugleich mit allen für ihre Entwicklung nötigen Vitaminen und Nährstoffen zu versorgen, eignet sich in dieser kritischen Phase die Fütterung mit speziell abgestimmtem Absetzerfutter.

Absetzen: Wechsel von Kolostralmilch auf vollwertiges Kaninchenfutter

Die ersten Lebenswochen junger Kaninchen lassen sich grob in zwei Phasen unterteilen: In der Säugephase (Lebenswoche 1.-4.) sichert die Muttermilch weitestgehend die Versorgung der Jungtiere mit Vitaminen und Mineralstoffen. Insbesondere die Kolostralmilch (syn. Kolostrum, Biestmilch, Erst- oder Vormilch), die die Häsin in den ersten drei Lebenstagen an die Jungen abgibt, versorgt den ohne Abwehrstoff geborenen Nachwuchs mit lebenswichtigen Immunglobulinen bzw. Antikörpern.

Mit dem Rückgang der Milchleistung der Mutter und der stetigen Entwicklung der Verdauungsorgane, beginnt mit dem Ende des ersten Lebensmonats die sogenannte Absetzphase. In dieser Periode nehmen Jungkaninchen zusätzlich zur Kolostralmilch erstmals feste Nahrung auf und beginnen Wasser zu trinken. Der Anteil von Futter und Wasser zur Muttermilch nimmt in den folgenden Wochen immer weiter zu. Nach etwa acht bis neun Wochen sind die Kaninchen vollständig abgesetzt.

Der allmähliche Rückgang der Milchleistung der Häsin ab der zweiten Säugewoche fällt mit der ersten Aufnahme fester Nahrung und Wassers zusammen (nach Fortun-Lamothe, L & Gidenne, T., 2006; © Deutsche Tiernahrung Cremer).

Anpassung des Magen-Darm-Trakts junger Kaninchen in der Absetzphase

Die Umstellung von der Milch der Mutter auf feste Nahrung ist eine kritische Periode im Leben junger Kaninchen. Die Funktionsweise des Verdauungssystems der heranwachsenden Tiere unterscheidet sich zum Ende der Säugephase noch deutlich von voll entwickelten adulten Kaninchen. Mit dem Wechsel von Milch auf feste Nahrung und Wasser gehen umfangreiche anatomische und physiologische Veränderungen des gesamten Verdauungsapparates einher.

Veränderung des Verdauungstakts in der Absetzphase

In der Säugephase versorgt die Kaninchenmutter ihre Jungen über die Muttermilch mit lebenswichtigen Vitaminen und Mineralstoffen. Die Kolostralmilch liefert in den ersten drei Lebenstagen zudem die dringend benötigten Abwehrstoffe in Form von „Immunglobulinen“ zum Schutz vor Krankheiten. Da der Magen-Darm-Trakt der Jungtiere in dieser Zeit keine milchfremden Stoffe gewohnt ist, können die Tiere Stärke und Zucker im Dünndarm noch nicht ausreichend verdauen. Der Anteil laktoseabbauender Enzyme nimmt parallel zur Aufnahme fester Nahrung kontinuierlich ab. Zugleich steigt die Menge der stärke- und zuckerspaltenden Enzyme allmählich an. Nehmen Jungkaninchen zu früh große Stärkemengen über die Nahrung auf, können sie diese im Dünndarm nicht vollständig verdauen. In der Folge kann unverdaute Stärke in den noch nicht vollständig entwickelten Dickdarm gelangen, wo sie zu Fehlgärungen führen kann. Eine Schädigung der Darmschleimhaut und Entzündungen sind mögliche und belastende Folgen.

Mit der Aufnahme fester Nahrung verändert sich auch die Zusammensetzung und Anzahl der Mikroorganismen im Dickdarm. Die Gesamtheit der Bakterien wird als Darmmikrobiom oder kurz als Darmflora bezeichnet. Parallel zum beständigen Wandel des Darms muss auch der Wechsel zu fester Nahrung kontinuierlich erfolgen.

Die verschiedenen Segmente des Magen-Darm-Traktes sind bei der Geburt unterschiedlich stark entwickelt. Gemessen am Körpergewicht des Kaninchens macht der Magen in den ersten Lebenswochen einen vergleichsweise großen Anteil aus. Demgegenüber sind Dünn- und Dickdarm noch nicht voll entwickelt. Dies ändert sich erst während der Absetzphase.

Kaninchen sind – ebenso wie Pferde – sogenannte Dickdarmverdauer. Das heißt, sie beziehen einen Großteil ihrer Energie aus der Zersetzung pflanzlicher Nahrungsbestandteile mithilfe von Darmbakterien. Das letzte Darmsegment ist daher für die Verwehrung der Nahrung besonders wichtig und macht bei erwachsenen Tieren einen großen Anteil des Gesamtvolumens des Magen-Darm-Traktes aus. Direkt nach der Geburt ist der Dickdarm wenig entwickelt. Jedoch setzt bereits wenige Tage nach der Geburt ein starkes Wachstum des Dünn- und Dickdarms ein – parallel zur Veränderung des Mikrobioms im Darm der Tiere.

Bereits kurz nach der Geburt beginnt eine Phase des Wachstums und der Entwicklung von Dünn- und Dickdarm. Der Anteil des bereits gut entwickelten Magens im Verhältnis zum Körpergewicht nimmt in der Folge mehr und mehr ab (nach: de Blas, C. & Wiseman, J: 2020; © Deutsche Tiernahrung Cremer).

Spezielle Absetzerfutter sichern die Versorgung der jungen Kaninchen

Die Absetzphase ist eine kritische Periode in der Entwicklung junger Kaninchen. Die körperlichen Veränderungen und die Umstellung bei der Nahrungsaufnahme stressen den Organismus der noch schwachen Tiere. Damit steigt die Anfälligkeit für Magen-Darm-Erkrankungen wie Durchfall, Blähungen oder Verstopfungen merklich an. Ziel der Absetzerfütterung muss es deshalb sein, ihnen die Umstellung so einfach wie möglich zu gestalten. Zugleich müssen geeignete Futter die Jungtiere mit allen für ihre Entwicklung benötigten Vitaminen (v. a. Vitamin A und Vitamin D) und Mineralstoffen (z. B. Calcium und Phosphor) versorgen.

Hierfür bieten sich spezielle Absetzerfutter – auch als Starterfutter bezeichnet – an. Die Inhaltsstoffe solcher Pelletfutter orientieren sich an dem besonderen Vitamin- und Nährstoffbedarf der jungen Kaninchen in dieser kritischen Lebensphase. Entsprechende Futter (z. B. deukanin fit Kräuter & Petersilie) besitzen einen nur geringen Stärkegehalt von unter 14%. Die nur geringe Menge kann im Dünndarm optimal verdaut werden. Zugleich besitzen Absetzerfutter einen hohen Gehalt an Rohfasern. Diese Pflanzenfasern wirken förderlich auf die Verdauung und dienen den Darmbakterien als wichtige Energiequelle.

Mix aus Rohfasern fördert die Darmgesundheit

Lediglich den Rohfasergehalt für die Bewertung des Futters heranzuziehen – wie früher oft empfohlen –, ist jedoch irreführend. Einzelne Faserfraktionen können große Unterschiede in ihrer Wirkung auf die Verdauung haben. Deshalb wirkt ein Mix unterschiedlicher Faserfraktionen (z. B. Mannan-Oligosaccharide, Lignocellulose) besonders förderlich auf die Verdauung und stimuliert die Darmflora. So lassen sich eine ausreichende Energieversorgung sichern und zugleich Verdauungsstörungen während der ohnehin bereits strapaziösen Absetzphase reduzieren.

Mannan-Oligosaccharide als Schutzfilm gegen pathogene Keime

Vor allem Fasern aus der Zellwand der Bierhefe, Mannan-Oligosaccharide (MOS), haben sich als zielgerichtete Ergänzung von Starterfuttern erwiesen. Diese Fasern gehören zur Gruppe unverdaulicher Strukturkohlenhydrate – besser bekannt als Präbiotika. Sie stärken die Darmflora und wirken regulierend gegen pathogene Keime im Darm. Zugleich bilden sie einen Schutzfilm auf der Darmschleimhaut (Darmmukosa), der der Anheftung von Schadkeimen und ihrem Eindringen in den Organismus entgegenwirkt.

Mit dem Prodigest-Konzept sicher durch die Absetzphase

Die Verbindung aus reduziertem Stärkegehalt, hohem Rohfaseranteil, unterschiedlichen Fraktionen verdaulicher Pflanzenfasern sowie der Zugabe verdauungsfördernder Kräuter und das Immunsystem stärkendem Vitamin C findet sich im sogenannten Prodigest-Konzept wieder. Dieses Konzept kennzeichnet speziell für die Jungtierversorgung geeignete Absetzerfutter (z. B. deukanin fit Kräuter & Petersilie), das mit seinen genau abgestimmten Rohfaserstrukturen und einem reduzierten Stärkegehalt die Vitalität der Tiere in der Absetzphase und der anschließenden Aufzucht optimal unterstützt. Das Extra an Vitamin C, die gekapselten Futtersäuren zur Stabilisierung des pH-Wertes im hinteren Darmbereich sowie die speziellen Kräuterzusätze beeinflussen die Gesundheit der Tiere positiv. Nach dem erfolgreichen Absetzen können Züchter*innen die Jungtiere nun auf ein Folgefutter umstellen (z. B. deukanin Zwergenfutter oder deukanin basis plus).

Fazit

  • Das Absetzen ist für junge Kaninchen eine kritische Phase voller Veränderungen.
  • Der Verdauungstrakt passt sich innerhalb nur weniger Wochen von der Verdauung von Kolostral- bzw. Muttermilch an feste Nahrung an.
  • In der strapaziösen Absetzphase kann es leicht zu Magen-Darm-Erkrankungen kommen.
  • Spezielle Absetzerfutter bzw. Starterfutter (z. B. deukanin fit Kräuter & Petersilie) sind optimal an die Bedürfnisse der Jungkaninchen angepasst.
  • Kaninchenhalter*innen und Züchter*innen sollten beim Futterkauf ein Produkt mit dem Prodigest-Konzept wählen.
  • Nach dem erfolgreichen Absetzen können Züchter*innen die Jungtiere nun auf ein Folgefutter umstellen (z. B. deukanin Zwergenfutter oder deukanin basis plus).

Bildquelle: © Vera Kailova – stock.adobe.com (Top-Slider)

Ansprechpartner

Theresa Oesterwind

Produktmanagerin Heimtier/Pferd

Theresa Oesterwind

Produktmanagerin Heimtier/Pferd